Samstag, 8. Dezember 2007

Vom Weihnachtsmann gibts nichts


Meine persönliche Bescherung 2007 wird bescheiden ausfallen. Samiklaus ist böse mit mir. Samiklaus, so heisst der Weihnachtsmann in der Schweiz - klingt zwar komisch, ist aber so.
Ich habe ihn heute verärgert, so weit habe ich ihn aus der Reserve gelockt, dass er mich am Ende gar nicht mehr mochte .... der weise alte Mann. Der Reihe nach die Ereignisse:
Samstag morgen Döltschihalde Zürich - Nach etwas mehr als 5 Stunden Halbschlaf, gegen 10:15 vom Bett ausgespuckt, ein Petit Dejeuner genossen (Kaffee und Zigarette ), schnell geduscht, rasiert und raus ins Leben. Das Wochenende geniessen, nette Menschen treffen, Energie tanken für eine neue Woche in der IT Grube. Der gute Anfang: Ich habe mich zum Frühstück mit einer netten Freundin verabredet.Pünktlich an der Haltestelle Triemli S10 Richtung Hauptbahnhof – sehr pünktlich: auf die Minute genau. Die letzten 100 Meter im leichten Dauerlauf, etwas ausser Atem. Wieviel Zigaretten waren das in den letzten zehn Jahren? Jeden Tag ein Päckchen, 20 Stück mal 365, 400 sind einfacher zu rechnen, das Ganze mal 10, das waren dann so ziemlich exakt 80000. Der menschliche Körper ist unheimlich wiederstandsfähig. Und der Mensch, der drinnen steckt, ziemlich verblödet.
Die richtigen Tasten am Fahrkartenautomaten gedrückt, Zone 10 –Hin und Zurück – Halbtax. Die Karte, die diesen 50% Rabatt für das absolut geniale schweizer System für den öffentliche Verkehr bescheinigt, steckt hoffentlich an der richtigen Stelle im Portemonnaie, dem Geldbeutel. Keine Zeit für Selbstzweifel, das Hupen der Bahn tönt schon um die Kurve. Problemlos schluckt der Automat die Franken ( Nie Frànkli sagen – die Tram ist ja auch kein Trämli ... s wird sonst nur peinlich). Statt der frisch gedruckten Fahrkarte erscheint die rote Anzeige "Ausser Betrieb" ... das Geld bleibt drin. Sie wollen es ja anscheinend nicht anders. Also 10 Minuten Schwarzfahrt bis zum HB .... alles laeuft bestens, die aeltere Dame, die mein Malheur mit eisernem Blick und einem gewisen Lächeln im Gesicht verfolgte, behielt Recht. „Am Samschtig gibts keine Kontrolleure“ hatte sie bemerkt.
Auf der Rolltreppe die Auffahrt ins Shoppingparadies. Die ganze Pracht der Bahnhofstrasse liegt vor mir. Unter der endlosen Kette von meterhohen Leuchtstaeben, die ihr kaltes, schmutziges Licht in der Vorweihnachtszeit an die wenigen, die diese moderne Lichtinstallation mögen, abstrahlen und auch die Mehrheit derjenigen beleuchten, die zornig werden, wenn sie dieses Malheur moderner Beleuchtngskunst ansehen müssen und sich die tausend Sterne des historischen künstlichen Sternenhimmels zurückwünschen. Wenn sie schon ihre sauer verdienten Fränkli auf die Schnelle ausgeben müssen, um ihren mehr oder wenigen Lieben mehr oder weniger schöne, aber auf jeden Fall teure Geschenke zu kaufen. Dann haben sie wenigstens ein Anrecht auf etwas Nostalgie.
Die durchwegs sehr gut gekleidete aber zumeist misslaunig dreinblickenden Menge der Shopper auf der Bahnhofstrasse - einer der teuersten Einkaufstrassen der Welt – sie laufen eilig in die Kaufhallen, strömen aus den Strassenbahnen direkt in die Tempel des Kommerzes. Ich kann und will nur kurz mitschwimmen, möchte einmal fast pünktlich sein zum Zmorge ( so heisst bei den Eidnenossen das Frühstück ) im Cafe Weggen in der Weggengasse. Gleich unterhalb der Peterskirche ( ..... wurde im 13. Jahrhundert erbaut und ist die älteste Kirche der Stadt. Besonders interessant ist das enorme Ziffernblatt der Kirchturmuhr, das größte Europas)
Klein aber fein das Cafe Weggen – für mich das schönste Cafe im traditionellen Sinne, nicht zuletzt dank der netten Damen, die offensichtlich Freude daran haben im Umgang mit den Menschen, die sich eine schöne Pause in ihren Räumen kaufen. Die Chefin so herzlich und freundlich, dass einem der Atem stockt. Einfach kasse! Meine gute Freundin kommt sogar noch später als ich. Zur Begrüssung die übliche Bussizeremonie - die Wangen kurz berührt - in der Schweiz gleich drei Mal. Ein kleiner, wichtiger Unterschied zum Begrüssungsritual der Franzosen, die täuschen den Kuss nur zwei Mal vor. So wie sich auch das das französische Croissant vom Schweizer Gipfeli unterscheidet. Im Grunde dasselbe feine Backwerk, aber in Frankreich ist der Halbmond langgestreckt waehrend sich die Spitzen der schweizer Variante fast schon berühren. Grund genug, sein Wissen aufzufrischen – Zu Zeiten von Google und Co doch kein Problem ... oder?
Eine interessante Quelle sagt:
Es muss angemerkt werden, dass weder das Croissant noch das Gipfeli einen französischen oder gar einen schweizer Ursprung haben – es war angeblich gar ein Wiener Bäcker, der sich das „Croissant“, „Hörnchen“ oder „Halbmond“, ausdachte, als die Türken vor Wien standen:Laut umstrittener Überlieferung sollen Croissants (Kipferl) ursprünglich in Österreich nach der Belagerung Wiens durch die Türken im Jahre 1683 entstanden sein. Weil die Bäcker in der Stadt schon früh morgens aufstehen mussten, bemerkten sie als Erste, dass die Türken die Stadtmauern unterminierten und schlugen Alarm. Dadurch sollen sie maßgeblich zur Rettung Wiens beigetragen haben. Zur Erinnerung an dieses Ereignis erfanden sie das Croissant, in Anlehnung an das türkische Feldzeichen in Form des Halbmondes. Man bemühe LEO.ORG : croissant de lune [cuis.] die Mondsichel ) / croissant m. [cuis.] das Kipferl auch: Kipfel (Österr.)
Croissants (von frz. lune croissante = zunehmender Mond), italienisch Cornetto, österreichisch Kipferl, schweizerisch Gipfeli, sind ein französisches Gebäck aus Plunderteig, einem Hefeteig, der wie Blätterteig mehrfach ausgerollt und mit eingearbeiteten Schichten von Butter zusammengefaltet wird. Croissants sind beliebte Frühstücksgebäcke. Die österreichischen Kipferl waren ursprünglich ein Gebäck aus Hefeteig in Hörnchenform und wurden noch 1894 in einem gastronomischen Lexikon als Hefegebäck bezeichnet.[1] Sie werden von Kulturhistorikern nicht mit Croissants gleichgesetzt.
Eine schöne englischsprachige Definition – auch im WWW Dschungel gefunden: The Swiss Carb of choice is a Gipfeli, the high alpine version of the Croissant
Reicht doch – und schmeckt hervorragend!
Schön gefrühstückt im Cafe Wegge – die Erfahrungen der letzten Monate ausgetauscht - so lange haben wir uns schon nicht mehr gesehen – zwischendurch das Rauchverbotschild versteckt und böse Blicke der Kaffetanten an den Nachbartischen geerntet - ein ganz bünzliger setzt sich gar demonstrativ einen Tisch weiter weg .... frohgelaunt wieder über die Limmat ins Weihnachtsshoppingtreiben. Das Wetter gut und mit der charmanter weiblicher Begleitung an meiner Seite ... das leben ist schön!
Da steht er plötzlich vor uns. Circa 100 Kilo offizielles Kampfgewicht bei einer Grösse von einem Meter und achzig Zentimetern - Showdown in Switzerland - Ring frei für Runde eins: Ich bin mir vollkommen klar, dass ich mich im Gefahrenbereich der gefährlichen Linken dieses weissbärtigen Mannes im langen roten Mantel begebe. Mit grossen Augen und klopfendem Herzen muss ich zusehen, wie er langsam, fast behäbig ausholt - herzlich wenig Zeit für mich zu reagieren. Ich kann nur die Deckung nach oben nehmen – Wir sprechen hier nicht von einer freiwilligen Verteidigung des Weltmeistertitels, wo man sich den Gegner vorher ausgesuchthat und lange Zeit mit der Analyse der kalkulierbaren Schwächen des Gegenübers verbracht hat.
Er ist unberechenbar. Ich muss mich zurücknehmen und darf mich zu keinen voreiligen Aktionen verleiten lassen. Meine Staerken ausnutzen - abwarten - vorerst nur dagegnbhalten. Abwarten und im richtigen Moment die Defensive verlassen und den richtigen Moment nutzen, und im richtigen Moment zuschlagen. Er holt langsam aus- mit seinem weissen Bart wirkt er 100 Jahre älter als ich - ist aber keinesfallszu unterschätzen.
Ho ho ho -Er greift in sein seinen Sack und überreicht meiner Begleitung eine kleine vierfarbig gedruckte Broschüre – eine Anleitung für ein besseres Leben. Hat er also in letzter Sekunde eingesehen, dass er keine Chance hat und lenkt geschickt ein. – Sein Glück. Nett wünscht er eine schöne Weihnacht, der Feigling. Was solls, weiter gehts. Doch aus dem Augenwinkel lese ich noch zwei Worte, gross aufgedruckt am weissen Stand, vor dem der Samiklaus den Passanten auflauert. Es ist ein Name: Ron Hubbard – Ich muss nicht lange überlegen. Zu sehr schmerzt er noch, der Gedanke an den schlechtesten Film, den ich mir in den letzten 15 Jahren im Kino angetan habe. Battlefield Earth hiess der Schmarren. Nicht einfach eine schlechte Verfilmung eines schlimmen Science Fiction Buches eben dieses Ron Hubbard – Es ist auch der mit Abstand schlechteste Film mit John Travolta. Vorher schon vier Mal bei den Razzie Awards ( Goldene Himbeere ) als schlechtester Schauspieler des Jahrzents wurde er 1994 so hervorragend wiedergeboren als Vincent Vega in Pulp Fiction. Und Ron Hubbards Buchverfilmung zog ihn nur 6 Jahre später wieder hinunter - Sechs Jahre später stand er für Battlefield Earth gar als Produzent und Hauptdarsteller zur Verfügung. Dieser Film erhielt nicht weniger als 8 Goldene Himbeeren bei den Razzie Awards – neben der persönlichen für J Travolta auch den Titel „schlechtestes Drama der letzten 25 Jahre“.
Als hätte R Hubbard damit nicht schon genug Schaden an der Menschheit angerichtet – Er gründete 1954 auch noch SCIENTOLOGY ...
Und 2007 verkleiden sich seine Jünger in Zürich als Weihnachtsmänner – Schämen sich nicht, die Schweizer Vorfreude auf Weihnachten für ihre Zwecke zu missbrauchen.
Meiner Aeusserung, der Name Ron Hubbard wecke bestimmte Assoziationen, weicht er sogar aus. Als ich ihn konkret auf Scientology anspreche ist er schon nicht mehr so lieb und weise, der Samiklaus ... Ich gebe ihm die Broschüre zurück mit dem Hinweis, dass ich dies unter diesen Umständen nicht bräuchte ..... Seine wohl doch sooo ernst gemeinten Satz er wünsche mir TROTZDEM schöne Weihnachten beantworte ich wesentlich ehrlicher „ Ich Ihnen nicht! „ Er fand es trotz seinem christlichen Outfit dann doch passend mir nachzurufen „Deshalb brauchst Du nicht so unfreundlich sein ...“ Ob ein „Du Arsch „ hinzugesetzt hat oder dies nur dachte kann und mag ich nicht mehr nachvollziehen ..... Ich möchte ja auch keine Probleme haben ..... mit meinem sinnfreien Blog will ich nicht im Untergrund landen in Angst vor Racheakten der Sektenbrüder ..... als Salman Rushdie für Arme bin ich nicht geeignet.
Sollte dieser Blog das letzte sein, was Ihr von mir wahrnehmt ... blame it on the Samiklaus!

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